Benannt nach Marie Anne Lenormand (1772-1873) sind die Lenormandkarten, die zum Wahrsagen bestimmt sind. Hiervon gibt es zwei unterschiedliche Kartendecks; das „kleine“ Lenormanddeck mit 36 Karten und das „große“ Kartendeck mit 54 Lenormandkarten. Das „kleine“, heute fast ausschließlich benutze Lenormanddeck erweist sich durch seinen biedermeierlichen Stil als ein Produkt des frühen 19. Jahrhunderts. Wohingegen das große 54 Karten umfassende Kartendeck vermutlich auf Tarotkarten von Etteilla (1738-1791) zurückgeht, die von Marie Anne Lenormand genutzt wurden. Die erst Veröffentlichung der Karten erfolgte jedoch erst nach ihrem Tod. Bis heute sind die Lenormandkarten eine der beliebtesten Karten zur Weissagung durch Kartenlegen.

Um 1850 erschienen die kleinen (36) Lenormandkarten erstmals in Deutschland. So hat Detlev Hoffmann 1972 nachgewiesen, dass das Spiel auf „Spiel der Hoffnung“, entwickelt durch Johann Kaspar Hechtel von Nürnberg, mit Figurenkarten von 36 illum. Blättern zurückgeht, wobei dieses Spiel ursprünglich nur in der Zweitverwendung als Wahrsagespiel gedacht war. Eigentlich handelte es sich um ein Rennspiel mit zwei Würfeln, bei dem die Karten in der Reihenfolge von 1-36 ausgelegt und bespielt wurden.

Jede Lenormandkarte enthält neben dem Bildsymbol, meist in biedermeierlicher Gestaltung, auch die Abbildung einer üblichen Spielkarte im Kleinformat bestehend aus den französischen Farben. In einigen Ausgaben ersetzt ein Vers das Kartenbild und formuliert somit den Kern der Kartenaussage. Im deutschsprachigen Raum ist das kleine Deck mit 36 Karten wesentlich verbreiteter.

In den Lenormandkarten unterscheidet man zwischen Sach- und Personenkarten. Zu den Personenkarten gehören die Dame, der Herr und das Kind. Zu den Sachkarten zählen beispielsweise das Buch oder der Ring. Zudem gibt es jedoch auch Karten, wie der Bär, die sowohl Personen als auch Sachen repräsentieren. Der Bär steht für eine Personenkarte für eine ältere Person, Chef, Anwalt oder Unternehmer. Gesehen als Sachkarte, steht er jedoch für Besitz, Stärke und Kraft. Mit den Lenormandkarten können ebenfalls Situationen dargestellt werden, wobei die Situationskarten unter die Sachkarten gezählt werden. Beispielsweise wird durch die Sonne Energie und Glück ausgedrückt und die Wolken symbolisieren Unklarheiten.

Die hier aufgeführten Bedeutungen stellen lediglich die Grundbedeutung der Lenormandkarten dar. Je nach Zusammenhang sind selbstverständlich jederzeit weiterführende Interpretationen zulässig und möglich. Durch die Legung der Karten werden die Bedeutungen jeder einzelnen Lenormandkarte durch die umliegende Lenormandkarte beeinflusst oder gar negiert.